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Hitzewelle im Rollstuhl: Sicher und kühl auf Reisen

Hitzewelle im Rollstuhl: Sicher und kühl auf Reisen - Urlaub barrierefrei

Nicht nur südliche Länder bekommen die heißen Temperaturen zu spüren: Auch in Deutschland schwitzen Menschen und Tiere inzwischen bei Temperaturen nahe der 40-Grad-Marke und erleben tropische Nächte.

Kleine Präventionsmaßnahmen wie Schattenplätze, ausreichend Flüssigkeit und Sonnenschutz berücksichtigen die meisten Menschen bereits. Doch Rollstuhlfahrer oder auch mobilitätseingeschränkte Personen brauchen noch weitere Unterstützung, um gut und sicher durch die heißen Sommermonate zu kommen.

Warum Hitze für Rollstuhlfahrer*innen ein besonderes Risiko ist

Auch wenn Schweiß manchmal unangenehm oder sogar lästig sein mag, übernimmt er doch eine wichtige Funktion: Durch Schwitzen kühlt sich unser Körper selbst ab und versucht auf diese Weise, einer Überhitzung entgegenzuwirken.

Insbesondere bei querschnittgelähmten Personen ist die körpereigene Schweißregulation unterhalb der Lähmungshöhe jedoch oft eingeschränkt: Dadurch hat der Körper weniger Möglichkeiten, sich selbständig abzukühlen.

Auch manche Medikamente können sich auf die individuelle Hitzeempfindlichkeit auswirken oder sogar eine Dehydrierung begünstigen. Laut einem Fachartikel von PTAheute, der sich auf einen Vortrag von Dr. Verena Stahl auf der INTERPHARM 2023 stützt, zählen unter anderem Neuroleptika, ACE-Hemmer und Parkinson-Mittel zu den Medikamenten, die das Durstgefühl hemmen können. Sprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt, wenn Sie beispielsweise folgende Medikamente regelmäßig einnehmen:

  • Entwässernde Medikamente (Diuretika): Sie fördern die Harnausscheidung und schwemmen dadurch auch Elektrolyte aus dem Körper. Bei starker, anhaltender Hitze kann das zu einem gefährlichen Flüssigkeitsmangel führen und den Elektrolythaushalt aus dem Gleichgewicht bringen.
  • Psychopharmaka: Je nach enthaltenem Wirkstoff können sie nicht nur die Haut äußerst lichtempfindlich machen und die Körpertemperatur erhöhen, sondern auch die Schweißproduktion und das Durstgefühl beeinträchtigen. Die Folgen können ein Hitzschlag oder eine Dehydrierung sein. Auch manche Neuroleptika oder Antiepileptika begünstigen diese Faktoren.
  • ACE-Hemmer und Parkinsonmittel: Sie können das Durstgefühl reduzieren und langfristig zu einer Dehydration führen, sofern nicht regelmäßig Flüssigkeit aufgenommen wird.

Erste Anzeichen einer Überhitzung können beispielsweise Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Übelkeit oder Erbrechen sein.

Barrierefreie Schattenplätze für Rollstuhlfahrer gezielt finden

Besonders im Urlaub in einer unbekannten Umgebung kann es herausfordernd sein, kühle Schattenplätze ausfindig zu machen.

Generell ist es empfehlenswert, längere Ausflüge in die Vormittags- oder späten Nachmittagsstunden zu verschieben, um die Mittagshitze zu vermeiden.

Hilfreiche Apps wie Google Maps oder Shade Map können außerdem bei der Ausflugsplanung unterstützen: Sie stellen den Schattenwurf je nach Tageszeit dar und helfen so dabei, schattige Ausflugsrouten im Vorfeld zu planen.

Außerdem finden Sie durch die integrierte Satellitenansicht beispielsweise schattige Alleen, Parks oder überdachte Außenbereiche – ideal für Städtereisen oder Kulturerlebnisse.

Eine gute Anlaufstelle ist auch die Touristeninformation vor Ort: Erkundigen Sie sich am besten schon vor der Reise gezielt nach barrierefreien Ausflugszielen mit Schattenplätzen zum Entspannen.

Hilfsmittel und Ausstattung für Rollstuhlfahrer gegen die Hitze

Mit ein paar nützlichen Helfern und wenigen Handgriffen lässt sich der Rollstuhl oder Rollator schnell und meistens kostengünstig aufwerten:

  • Kühlkissen: Spezielle Kissen oder kühlende Sitzauflagen können unkompliziert angebracht werden und kühlen meist durch ein spezielles, eingearbeitetes Gel. Die Kühlwirkung setzt ungefähr ab 30 Grad Außentemperatur ein und wird durch Körperkontakt aktiviert.
  • Sonnenschirm für den Rollstuhl: Spezielle klemmbare Sonnenschirme erhalten Sie beispielsweise im Sanitätsfachhandel. Diese lassen sich einfach an den Rollator oder Rollstuhl klemmen und bei Nichtgebrauch platzsparend verstauen.
  • Kühlkompressen und Sprühflaschen: Kleine Wasserflaschen mit Sprühaufsatz oder spezielle Kühltücher sorgen für wohltuende Erfrischung und kurzfristige Abkühlung. Am besten haben Sie immer verschiedene Produkte in Ihrem Rucksack oder in Ihrer Rollstuhltasche, um sie direkt einsatzbereit zu halten.

Elektrorollstuhl, Akku und Technik im Blick behalten

Wie auch in anderen technischen Geräten wie Handys oder Laptops sind in Elektrorollstühlen meist Akkus mit Lithiumbatterien verbaut. Diese sind sehr hitzeempfindlich und können bei anhaltender, starker Hitze Schaden nehmen. Überprüfen Sie vor Ihrer Reise die Bedienungsanleitung auf mögliche Maximaltemperaturen oder Empfehlungen des Herstellers.

Wichtig zu wissen: Die Akkus von Elektrorollstühlen verlieren unter starker Hitze oft an Reichweite und Leistung. Greifen Sie nach Möglichkeit auf einen Ersatzakku zurück oder planen Sie realistische Pufferzeiten ein.

Parken Sie den Rollstuhl nicht in der direkten Sonne und beachten Sie dabei auch den Schattenwechsel: Besonders dunkle Sitzflächen oder Armlehnen heizen sich sehr schnell in der Sonne auf – Temperaturen von ungefähr 80 Grad sind möglich. Im Zweifelsfall kann ein weißes Tuch oder eine helle Decke den Rollstuhl vor der Sonne schützen.

Checkliste für das Reisen mit Rollstuhl

Verreisen im Hochsommer kann anstrengend sein und den Körper bei Extremtemperaturen an seine Grenzen treiben. Rollstuhlfahrer sollten daher besonders auf ihren Körper hören, Warnsignale ernst nehmen und Begleitpersonen frühzeitig informieren.

Verschieben Sie anstrengende Ausflüge, insbesondere bei Hitzewarnungen örtlicher Wetterdienste oder Routen ohne Schattenplätze, lieber auf kühlere oder bewölkte Tage. Mit ein paar Hilfsmitteln für den Rollstuhl oder Rollator sowie verantwortungsvoller Planung steht einem sorgenfreien Sommerurlaub auf diese Weise nichts mehr im Wege.

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Redakteur Urlaub barrierefrei Sabrina Fischer

Redakteur: Sabrina Fischer

Chefredakteurin

Über Sabrina Fischer

Sabrina Fischer ist Marketingmanagerin und Texterin bei urlaub-barrierefrei.info. Sie ist für Optimierungsprozesse sowie den Social Media Auftritt zuständig und hat sich auf die Themen "Barrierefreies Reisen" und "Reisen mit Kindern" spezialisiert. Seit 2019 ist sie Chefredakteurin bei urlaub-barrierefrei.info.

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